Einen Schiebetürenschrank selbst bauen

Wir haben vor einiger Zeit Mongolische Rennmäuse als neue Hausgenossen aufgenommen. Für das Glasgehege habe ich einen einfachen, aber schönen und funktionalen Schiebetürenschrank aus Multiplex-Platten gebaut.

Der Anlass

Vor einiger Zeit reifte in unserer Familie die Entscheidung, zu den Kaninchen und den Hühnern noch Mongolische Rennmäuse als Haustiere aufzunehmen. Nach der üblichen Recherche und Orientierungsphase, schafften wir ein großes Glas-Nagarium an, in das bald drei knuffige Rennmäuse einzogen. Für mich was das ein schöner Anlass, einen Unterschrank für dieses Gehege zu bauen, der optisch perfekt zur Größe des Nagariums passt und in dem man außerdem die Streu, das Futter und die restlichen Utensilien für die Mäuse ordentlich aufbewahren kann. Da der Standort des Mausgeheges ein häufiger Durchgang ist, sollte es ein Schiebetürenschrank werden, so dass keine offenen Schranktüren den Weg versperren.

Zuschnitt

Aufgrund des Lockdowns musste ich mit Materialien arbeiten, die ich schon zu Hause hatte: 15 mm Birke-Multiplex für den Korpus, die Türen und die Fachböden sowie ein kleineres Stück 21 mm Birke-Multiplex für die obere Platte.

Ich plante den Schrank in Fusion360 und erstellte daraus dann eine Stückliste. Bei der Zuschnittliste leistete wie üblich das Online-Tool Cutlist Optimizer hervorragende Dienste.

Der Zuschnitt großer Platten beginnt immer mit der Tauchsäge in der Garage, wenn die Teile dann in handhabbare Größen gesägt sind, mache ich auf der bequemeren Arbeitshöhe der Werkbank weiter.

Maschinenhandel Meyer

Inzwischen habe ich mir angewöhnt, alle Teile mit Malerkrepp zu beschriften. Das macht die spätere Arbeit deutlich leichter.

Flachdübelverbindungen

Die Verbindungen führte ich mich Flachdübeln aus, die ich direkt nach dem Zuschnitt fräste.

Nachdem alle Schlitze für die Flachdübel gefräst waren, konnte ich schon einen ersten Testaufbau mit wenigen Dübeln und ohne Leim wagen, um zu prüfen, ob alles passt.

Falz für die Rückwand fräsen

Nun fräste ich mit der Oberfräse in die beiden Seiten und die obere Platte einen Falz, der später die Rückwand aufnehmen sollte. Da der Fräser beim Absetzen eine Rundung hinterlässt, stemmte ich das restliche Material aus, so dass eine rechtwinkliges Falzende entstand.

Fräsen der Nuten für die Schiebetüren

Ebenso konnte ich nun in die Bodenplatte und die Deckelplatte die Nuten für die Schiebetüren fräsen. Wie man die passende Tiefe der oberen und unteren Nut ermittelt, erkläre ich im zweiten Video unten. Hier aber schon mal ein Screenshot daraus zur schnellen Orientierung:

Das Fräsen ging wie üblich mit dem Anschlag der Oberfräse, anschließend die Enden rechtwinklig ausstemmen und mit einem Stück Restholz prüfen, ob alles läuft, wie es soll.

Lochreihen und Schleifen

Nun bohrte ich die Lochreihen für die Fachbodenträger mit dem sehr praktischen Tool von Kreg (Werbung). Anschließend wurden alle Teile mit 120er Körnung innen und außen geschliffen. Innen dann auch schon mit 240er Körnung, weil das im zusammengebauten Schrank deutlich schwieriger ist. Außerdem mache ich das erst später, weil ich üblicherweise beim Verleimen noch kleinere Macken auf die Außenseite bekomme, so dass der Endschliff mit der feinen Körnung vorher noch nicht sinnvoll ist (zumindest wenn man etwas grobmotorisch ist, wie ich).

Auch die Kanten der Nuten wurden nun gebrochen und an die relevanten Kanten eine Fase angefräst.

Sockel vorbereiten und verleimen

Bevor es ans Verleimen des Schranks ging, bereitete ich noch den Sockel vor: dieser sollte als fest auf Gehrung verleimter Rahmen ausgeführt werden, der mit Taschenlöchern von unten an den Korpus geleimt und geschraubt wird. Ich bohrte also die Taschenlöcher mit dem Kreg-Jig (Werbung) und verleimte anschließend die vier Teile indem jede Gehrung einen Flachdübel zur Ausrichtung bekam. Dann konnte der Leim des Sockels abbinden, während ich den Korpus des Schranks verleimte.

Verleimen des Korpus

Leim dran, Flachdübel rein, Zwingen dran … klingt einfach, ist aber immer irgendwie stressig für mich. Ich weiß nicht, ob das jemals noch anders wird. Irgendwie fehlt immer eine Hand oder eine Zwinge fällt um oder ich schmiere Leim auf die Oberfläche oder oder oder …

Rückwand einpassen

Nachdem der Leim über Nacht abgebunden hatte, konnte ich die Rückwand einpassen. Da ich wegen des Lockdowns nur schwer neues Plattenmaterial besorgen konnte, musste ich vorhandene Stücke von 6,5 mm Birke Multiplex nehmen und diese zusammen setzen. Das ist nicht ideal, aber da das Schränkchen an der Wand steht, auch nicht weiter tragisch.

Die Rückwand wurde vorgebohrt und die Löcher angesenkt und dann die Rückwand eingeschraubt.

Türen einpassen und Grifflöcher bohren

Nun konnte ich die Schiebetüren zum ersten Mal einsetzen – das ist immer schön, wenn zu der Form dann auch die Funktion in ein Werkstück kommt.

Die Grifflöcher zeichnete ich im eingebauten Zustand ein, damit man mehr nach dem optischen Gesamteindruck entscheiden kann, wo sie genau sitzen sollen.

Um auf beiden Seiten saubere Lochkanten zu bekommen, bohrte ich zunächst ein kleines Führungsloch durch die Tür.

Anschließend bohrte ich mit dem Forstnerbohrer von einer Seite bis ungefähr zur Hälfte der Materialstärke – das Führungsloch diente zur Zentrierung des Bohrers. Danach drehte ich die Tür um, nutzte das Führungsloch wieder als Zentrierung und bohrte, bis die beiden Sachlöcher sich im Material trafen und so ein Durchgangsloch entstand. Ausriss entsteht in der Regel beim Austritt aus dem Material, da hier kein Austritt stattfand und der Forstnerbohrer auf beiden Flächen der Tür (innen und außen) in das Material eintrat, hatte ich saubere Bohrkanten.

Nun konnten auch die Türen und die Grifflöcher eine Fase und den „letzten Schliff“ erhalten.

Montage des Sockels

Nun ging es in den Endspurt: der Sockel wurde von unten mit Leim und Schrauben montiert.

Oberfläche: Hartwachsfarbe in weiß

Die Oberfläche sollte weiß werden wobei ein Hauch Maserung durchscheinen sollte. Ich verwendete die Hartwachsfarbe Evolution in weiß meines Oberflächenpartners PNZ (Werbung) und trug es mit der Lammfellwalze insgesamt zwei Mal auf.

Endmontage und Ergebnis

Nachdem die Farbe ca. zwei Tage durchgetrocknet war, konnte ich die Fachböden einlegen und die Türen einsetzen. Fertig!

Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden: das Schränkchen ist funktional, schlicht und hat trotzdem mit dem genau darauf passenden Nagarium aus Glas eine gewisse schlichte Eleganz, wie ich finde. Außerdem ist es praktisch, allen „Mäusekram“ darin verstauen zu können.

Videos

Wie immer zeigt das Video den Bau ausführlicher. Im zweiten Video gebe ich verschiedene Tipps zum Bau von Möbeln mit Schiebetüren.


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