Ein Bad-Objekt aus altem Holz (Handtuchhalter selbst bauen)

Meine Schwester hat mir ihrer Familie ein neues Haus an der Stelle gebaut, wo das Elternhaus unserer Mutter stand, in dem wir als Kinder auch viel Zeit bei unseren Großeltern verbracht haben. Beim Abriss des alten Hauses haben wir einige alte Balken gerettet, um sie nun als Erinnerungsstücke wieder in unsere direkte Wohnumgebung zu bringen.

Ein solches Stück ist nun ein Bad-Objekt in Form eines Handtuchhalters geworden, den ich aus einem der alten Balken gefertigt habe.

Auswahl des Balkens

Die Auswahl eines solchen Balkens ist nicht immer leicht, denn er soll einerseits „alt genug“ aussehen, also möglichst einige Spuren seiner Verwendung tragen, andererseits sollte er nicht zu ramponiert sein, damit er nach der Aufbereitung wie ein Wohnobjekt und nicht wie Baustellenabfall aussieht. Nach einigem Suchen und einer ersten erfolglosen Auswahl (beim ersten Balken zeigte sich massiver Holzwurmbefall beim Aufarbeiten), fand ich also das nun verwendete Stück.

Der Balken hat an beiden Enden eine schräge Kante mit einem Zapfen, hat einige Verzugrisse, die aber seine Stabilität nicht beeinträchtigen und sieht insgesamt vielversprechend aus.

Standfläche vorbereiten

Da der Balken ein Handtuchhalter werden und später aufrecht stehen soll, muss zunächst mal ein Ende im rechten Winkel abgesägt werden. Das habe ich mit der Gestellsäge erledigt, weil ich sonst keine Säge habe, mit der ich so tiefe Schnitte machen könnte. Die Bandsäge wäre noch in Frage gekommen, da hätte ich aber zuerst mit recht großem Aufwand eine Schiebevorrichtung im rechten Winkel bauen müssen.

Maschinenhandel Meyer

Der rechte Winkel hat ganz gut gepasst, aber nicht perfekt. Daher habe ich mit dem Tellerschleifer die künftige Standfläche noch leicht nachkorrigiert, so dass der Balken wirklich sauber aufrecht und im rechten Winkel zum Boden steht.

Man sieht, dass auch dieser Balken starken Holzwurmbefall hat, der allerdings an der Oberfläche nicht so sehr sichtbar ist, so dass ich immer noch eine Chance hatte, eine schöne Oberfläche hinzubekommen, die nicht komplett von Wurmgängen verschandelt ist.

Aufarbeitung der Oberfläche

Nun ging ich daran, die Oberfläche herzurichten. Das ist ein Prozess, den ich nach Bauchgefühl und erwünschter Optik durchführe: man trägt genug von der alten, oft schmutzigen oberen Holzschicht ab, dass die Struktur des Holzes gut zum Vorschein kommt, aber nicht so viel, dass es am Ende unansehnlich wird. Der Übergang zwischen diesen beiden Zuständen ist natürlich fließend – daher nach Bauchgefühl und Optik.

Für diese Arbeit habe ich zunächst eine Kunststoffbürste verwendet, die man auf den Akku-Schrauber aufstecken kann. Diese gibt es in unterschiedlichen Ausführungen und Härten, auch in Messing oder Stahl (* das ist ein Affiliate-Link, Näheres im Fußbereich der Seite). In diesem Fall hat sich Kunststoff ganz gut bewährt, allerdings war auch das schon fast zu hart und aggressiv im Abtrag bei dem weichen Tannenholz des Balkens, so dass ich sehr vorsichtig und fast ohne Druck vorgehen musste.

Bei einem ähnlichen Projekt vor einigen Jahren habe ich gelernt, dass ich keine Stahlbürste verwenden darf – zumindest nicht bei Eiche. Damals hat sich herausgestellt, dass der Stahl die Eiche dunkel verfärbt, was in diesem Fall nicht erwünscht war (wobei ich nicht weiß, ob das bei Tanne auch der Fall gewesen wäre).

Hier sieht man nun den Zustand vor diesem Arbeitsschritt und danach.

Mit der rotierenden Bürste kann man flächig gut abtragen, in der Regel möchte ich aber noch etwas feiner kontrollieren, welche Stellen wie aussehen. Daher habe ich auch noch ausgiebig von Hand mit der Messingbürste nachgearbeitet.

Modellieren des Kopfendes

Am oberen Zapfen des Balkens waren starke Fraßspuren zu erkennen, die ich nicht sehr ansehnlich fand. Daher habe ich mit der Säbelsäge* den stark beschädigten Teil abgetragen, eine neue Form modelliert und anschließend mit der Schleifscheibe des Winkelschleifers* ausgeformt.

Danach glättet ich alle Unebenheiten und scharfen Kanten mit dem Tellerschleifer*.

Zwischenergebnis

So sieht nun also das Zwischenergebnis aus.

Fuß bauen

Um dem aufrechten Balken einen adäquaten Fuß zu geben, nahm ich einen anderen alten Balken, sägte aus diesem zwei ca. 4 cm dicke Bohlen und fügte sie zu einem nahezu quadratischen Fuß zusammen.

Da die Leimfläche nur die Dicke des Materials umfassen würde und das bei diesem alten, trockenen und daher extrem saugfähigen Holz nicht halten würde, habe ich die Reste einer dünnen HDF-Platte verwendet, die ich von unten flächig auf die beiden Bohlenstücke leimte, um so eine großflächige Verbindung herzustellen.

Anschließend schliff ich die frisch gesägten und daher sehr geraden Kanten noch unregelmäßig rund, um dem Fuß einen Look passend zum aufrechten Balken zu geben.

Zusammenbau

Nun konnte ich den Balken und den Fuß verbinden. Dazu bohrte ich vier Löcher in den Fuß und schraubte diesen von unten mit langen Schrauben in den aufrechten Balken. Die Ausrichtung erledigte ich im aufrechten Stand, dann fixierte ich die beiden Teile mit einem Spanngurt, so dass ich sie auf die Seite legen und die Schrauben von unten einbringen konnte. Außerdem bekam der Fuß noch vier Gummifüße, um ihn etwas vom Boden abzuheben – schließlich wird das ja ein Handtuchhalter, der auch mal auf einem feuchten Badboden steht und sich dann nicht von unten mit Wasser vollsaugen soll.

Oberflächenbehandlung

Nun behandelte ich die Oberfläche mit reichlich Flüssigwachs, um sie gegen Spritzwasser zu schützen.

Ergebnis

Das Ergebnis ist sehr schön geworden, wie ich finde. Ein schlichter schwarzer Handtuchhalter gibt dem Objekt seine Funktion und schafft aus meiner Sicht schön die Brücke zwischen dem modernen Bad, in dem der Balken nun steht und dem alten Holz (aus dem alten Haus), aus dem er gefertigt ist.

Außerdem finde ich die Vorstellung schön, dass damit ein Stück des Hauses unserer Großmutter im neuen Haus meiner Schwester steht, das ja auf den Grundmauern des alten Hauses gebaut wurde.

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Mein Werkzeug

Übersicht der Werkzeuge, die ich benutze.

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2 Kommentare

  1. Erstklassige Idee und eine tolle Umsetzung und Darstellung des Projekts. Da muss man erst einmal draufkommen und die Fantasie besitzen, alten Balken so eine neue Funktion zu geben.
    Chapeau!

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